Der Duft eines herzhaften Eintopfs, die cremige Fülle eines regionalen Käses oder das saftige Aroma eines Sonntagsbratens – diese Momente des Genusses verbinden uns tief mit unserer Ernährung. Doch die Freude am Essen reicht weit über den Teller hinaus. Sie beginnt auf dem Feld, im Stall und auf der Weide, wo die Grundlage für unsere Lebensmittel gelegt wird. Als Ernährungsjournalist von "Genuss wirkt!" ist es mir eine Herzensangelegenheit, diese Verbindung zwischen dem Ursprung unserer Nahrung und ihrem späteren Genuss zu beleuchten – insbesondere, wenn es um das Wohl unserer Tiere und die Gesundheit unserer Umwelt geht.
Ein Aspekt, der oft unsichtbar bleibt, ist der Einfluss der Tierhaltung auf unsere Luft und unsere Ökosysteme. Ammoniakemissionen, vor allem aus intensiven Tierhaltungen, stellen eine Herausforderung dar, die wir gemeinsam angehen müssen. Aktuelle europäische Initiativen zur Regulierung der "Besten verfügbaren Techniken" (BvT) fokussieren sich primär auf Großbetriebe für Schweine und Geflügel. Doch um in Deutschland wirklich maßgebliche Verbesserungen zu erzielen, dürfen wir die Rinderwirtschaft nicht außer Acht lassen. Denn auch hier gibt es großes Potenzial, Emissionen zu mindern und gleichzeitig das Wohl der Tiere zu steigern.
Ein ganzheitlicher Blick auf Tierwohl und Umwelt
Wenn wir von Tierwohl sprechen, denken wir intuitiv an gesunde, glückliche Tiere, die ausreichend Platz, frische Luft und gutes Futter erhalten. Doch der positive Effekt von mehr Tierwohl geht weit darüber hinaus. Maßnahmen, die das Leben von Milchkühen verbessern – sei es durch größere Liegeflächen, mehr Auslauf oder eine bessere Stallluft –, wirken sich direkt auf unsere Umwelt aus. Sie können dazu beitragen, gasförmige Emissionen zu reduzieren und somit die Qualität unserer Luft und Böden zu schützen. Auf den ersten Blick scheint die Rechnung einfach: Eine große Mehrheit der Bürger ist bereit, für Produkte mit höheren Tierschutzstandards auch mehr zu bezahlen. Dies wäre ein starkes Signal für eine Anhebung der gesetzlichen Mindeststandards in Deutschland.
Gemeinsam für eine bessere Zukunft
Die Realität unserer Landwirte ist jedoch komplex. Sie stehen im globalen Wettbewerb. Eine Kostensteigerung von beispielsweise 20 Prozent, die durch höhere Tierwohlstandards entstehen könnte, birgt die Gefahr, dass ein Teil der Tierhaltung ins Ausland abwandert – ein Szenario, das weder den Tieren noch der deutschen Wirtschaft zugutekommt. Hier zeigt sich, dass wir nicht nur nationale Lösungen brauchen, sondern eine gemeinschaftliche, europäische Strategie, die alle großen Produktionsländer wie die Niederlande, Dänemark und Frankreich miteinbezieht. Nur so können wir faire Bedingungen schaffen und den Tierschutz wirklich nachhaltig voranbringen.
Als Konsumenten haben wir eine immense Kraft. Jede Kaufentscheidung ist eine kleine Abstimmung für die Welt, in der wir leben möchten. Indem wir bewusst Produkte von Höfen wählen, die nachweislich in Tierwohl und Nachhaltigkeit investieren, unterstützen wir die Landwirte, die diesen Weg bereits gehen. Es ist ein gemeinsamer Weg, auf dem Wissen über systemische Zusammenhänge vertieft, Kalkulationsgrundlagen vereinheitlicht und Innovationen gefördert werden müssen. Lasst uns gemeinsam eine Zukunft gestalten, in der unser Genuss nicht auf Kosten des Tierwohls oder unserer Umwelt geht, sondern Hand in Hand mit ihnen einhergeht – für ein herzhaftes Versprechen an uns selbst und kommende Generationen.




