Manchmal sind es die ältesten Wege, die uns zu den aufregendsten neuen Genüssen führen. So auch im Weinbau, wo eine jahrtausendealte Tradition aus der Versenkung auftaucht und die Herzen von Winzern und Weinliebhabern gleichermaßen erobert: der Amphorenwein. Was vor einem Jahrzehnt noch als zaghaftes Experiment galt, oft belächelt oder nur für den privaten Gebrauch gepflegt, entwickelt sich heute zu einer globalen Bewegung, die Altes mit Neuem auf wunderbare Weise verbindet.
In Regionen wie dem portugiesischen Alentejo hat die Wiederbelebung der Amphoren – jener ehrwürdigen Tongefäße, in denen schon unsere Vorfahren Wein ausbauten – eine beeindruckende Dynamik angenommen. Doch außerhalb dieser Hochburgen gleicht der Ansatz noch immer oft einem mutigen Alleingang. „Ich habe zu Hause niemanden, mit dem ich darüber sprechen kann“, sinniert Jon Engelskirger, beratender Winzer für das Weingut Tres Sabores im kalifornischen Napa Valley, das von seiner Frau Julie Johnson geführt wird. Diese Isolation zeigt, wie radikal die Methode in manchen etablierten Weinregionen noch immer wirkt.
Die Evolution einer vergessenen Kunst
Für viele Winzer war die Rückbesinnung auf die Amphore eine Offenbarung. Einer von ihnen ist João Ribeiro vom Weingut Rocim im Alentejo. Er erinnert sich, wie Amphorenwein bei ihnen lediglich „für den Familienkonsum bestimmt war, etwas, das von einem der Landarbeiter hergestellt wurde.“ Doch mit der Zeit begann er, als Winzer stärker zu intervenieren, die Möglichkeiten zu erkennen und das Potenzial zu entfesseln. Jahr für Jahr vertiefte er sich in diese Kunst, transformierte eine bescheidene Familientradition in einen ernsthaften Ausdruck von Terroir und Handwerkskunst.
Die Faszination für Amphorenwein ist greifbar. Ein kürzlich abgehaltenes internationales Event, das 51 Produzenten aus sieben verschiedenen Ländern zusammenbrachte, untermauerte nicht nur die Dynamik dieser Bewegung, sondern auch die erstaunliche Vielfalt an Ansätzen und Philosophien innerhalb der Amphorenwein-Gemeinschaft. Hier treffen sich tatsächlich, wie der ehemalige Anthropologe David Picard, Mitbegründer der Lissabonner Urban Winery Adega Belem, treffend formuliert, „die Ultra-Traditionalisten mit den Hipstern aus New York oder Amsterdam.“
Diese einzigartige Fusion von tief verwurzelter Geschichte und modernem Geist macht den Amphorenwein zu einem Botschafter für Nachhaltigkeit und bewussten Genuss. Er lädt uns ein, die Essenz des Weins neu zu entdecken – unverfälscht, ursprünglich und voller Charakter. Ein wahrhaft inspirierendes Erlebnis für alle, die Wert auf Authentizität und die Magie des Handwerks legen.




