In einer Welt, in der Trends oft kurzlebig sind, gibt es doch immer wieder Geschichten, die tief in unserer Erde verwurzelt sind und uns an die wahren Werte erinnern. Eine solche Geschichte spielt im malerischen Allgäu, wo alte Getreidesorten – unser kulinarisches Erbe – eine wundervolle Renaissance erleben. Namen wie Emmer und Waldstaudenroggen sind vielleicht schon vielen ein Begriff, doch die wahren Schätze schlummern oft direkt vor unserer Haustür: regionale Sorten mit Charakter und einer bewegten Vergangenheit, wie der „Allgäuer Land“ oder der „Babenhauser Zuchtvesen“.
Stellen Sie sich vor: In den letzten 100 Jahren sind in Deutschland rund 90 Prozent unserer Getreidesorten in Vergessenheit geraten. Eine erschreckende Zahl, die uns bewusst macht, wie viel Vielfalt und Geschmack wir verloren haben. Doch im Allgäu regt sich Widerstand gegen dieses Vergessen. Engagierte Bäuerinnen und Bauern, Mühlenbetreiber und Initiativen wie die Ökomodellregion Günztal erwecken diese Sorten, die einst fester Bestandteil des kulinarischen Erbes waren, wieder zum Leben. Zwei Weizensorten, eine Dinkelsorte und eine Gerstensorte aus dem Allgäu sind dabei Pioniere dieser Bewegung.
Das kulinarische Erbe bewahren: Von Feld bis Backstube
Diese Rückbesinnung auf regionale Authentizität ist keine bloße Nostalgie, sondern eine bewusste Entscheidung für mehr Geschmack, mehr Nachhaltigkeit und die Stärkung lokaler Wertschöpfungsketten. Das „Food Lab Raum Null“, eine innovative Plattform der Genussakademie Bayern, widmet sich seit 2020 mit Leidenschaft der Erforschung alter bayerischer Weizensorten. Das Ziel ist klar: Praktische Anwendbarkeit prüfen, neue Wege für regionale Produzenten schaffen und Bäckerinnen und Bäckern das nötige Getreide für herausragende Produkte liefern.
In einem umfassenden Praxistest, bei dem sieben alte Weizensorten auf ihre Backqualität hin untersucht wurden, überzeugte eine Sorte besonders im Brotkorb: der „Allgäuer Land“-Weizen. Ein wahrer Gaumenschmaus und ein Botschafter seiner Heimat. Es ist eine herzliche Einladung an uns alle, diese wiederentdeckten Getreidesorten zu kosten und damit nicht nur unsere Sinne zu verwöhnen, sondern auch einen Beitrag zum Erhalt unserer landwirtschaftlichen Vielfalt und regionalen Identität zu leisten. Jedes Korn erzählt eine Geschichte, jede Scheibe Brot verbindet uns mit einer tiefen Tradition und einer vielversprechenden Zukunft nachhaltigen Genusses.




